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17.03.2017

Das Lenz’sche Fachwerkhaus als Lernobjekt


Quentin Vancorselis (links) und Grégory Baume sind von Holzarbeiten begeistert. Zurzeit machen Sie in Praktikum und engagieren sich im Lenz’schen Haus

Französische Berufsschüler zum Praktikum in Osterode am Harz - Osteroder Projekt ist Gegenstand einer Bewerbung auf nationaler französischer Ebene

... Stadt Osterode


Grégory Baume und Quentin Vancorselis sind Franzosen. Berufsschüler, die derzeit ihr Fachabitur Holz in Beaucair, nahe der französischen Mittelmeerküste, machen. Seit dem 6. März sind sie zu Gast in Osterode am Harz. Für ihre Ausbildung dient ihnen das in Osterode bekannte Lenz’sche Fachwerkhaus in der Johannistorstraße als Lernobjekt.

Praktikumsbetrieb ist die Zimmerei Hesse in Badenhausen, ein Unternehmen, das sich mit Fachwerk sehr gut auskennt. Grégory und Quentin nutzen diese Kompetenzen und das leer stehende Gebäude, um ihrerseits ihre Fertigkeiten zu erweitern. Denn nach dem Fachabitur wollen sie dem Thema Holz treu bleiben und eine entsprechende Technikerausbildung anschließen. Im Lenz’schen Haus dient ihre Arbeit dazu, Sondierungen im Fachwerk und die Forschungen am und im Gebäude vorzubereiten. Dazu werden z. B. Bauteile freigelegt. Das geschieht in enger Abstimmung mit dem Denkmalschutz des Landkreises. Betreut und angeleitet werden Sie dabei von Phil-Oliver Ross, ihrem Berufsschullehrer. Der freut sich über ihren Einsatz: „Grégory und Quentin sind fasziniert von Fachwerk. Das Haus bietet Unterricht am geeigneten Objekt“.

Der aktuelle Besuch ist aber nur der Auftakt: Im September kommen beide im Rahmen des DenkmalKunstKunstDenkmal-Festivals mit ihrem Lehrer und mit 23 weiteren Schülerinnen und Schülern, der gesamten Holzabteilung ihrer Schule, wieder in die Sösestadt, und zwar für drei Wochen. Um diesen Besuch vorzubereiten, besuchte Ross mit der Fachwerkaktivistin Maren Hille am Dienstag Osterodes Bürgermeister Klaus Becker und Bauamtsleiter Thomas Christiansen. Denn die Aktion im Herbst soll sich nicht nur auf die Schülerinnen und Schüler beschränken.

Geplant ist, möglichst viele Interessierte einschließlich des Handwerks einzubeziehen. „Das Lenz’sche Haus gehört zu den Häusern in der Altstadt, das viele Osteroderinnen und Osteroder interessiert und an dem sie auch ein Stück weit hängen. Im Rahmen des Festivals haben sie die einmalige Chance, selbst, und sei es mit einem kleinen Beitrag, zum Erhalt beizutragen“, erläutert Becker den Hintergrund. Dabei gehe es nicht mal darum, Werkzeug in die Hand zu nehmen. Das kann logistische Hilfe sein oder nur die Versorgung der Schülerinnen und Schüler mit Verpflegung. Vieles, was gar nicht direkt mit Arbeiten am Bau zu tun habe, sei möglich und könne helfen, so Becker.

Er freut sich darüber, dass auch Betriebe des Handwerks aktiv mit Rat und Tat zur Seite zu stehen wollen. Zusagen dafür hat Becker schon, ruft aber nach wie vor auch Privatpersonen auf, sich zu beteiligen. Wer einen Beitrag zum Erhalt des Hause leisten möchte, kann sich direkt an ihn wenden. Noch gibt es keine Festlegung, wie das Lenz’sche Haus, das ins Treuhandvermögen der Stadt gekauft wurde, einmal genutzt werden soll. Ideen dazu gibt es aber viele. „Wir müssen sehen, was in dem Gebäude umsetzbar und finanzierbar ist“, so Becker.

Die Pläne, die Arbeit am Lenz’schen Haus mit den Gedanken der Verständigung zwischen jungen Menschen aus Frankreich und Europa zu verbinden, hat inzwischen in unserem Nachbarland die nationale und auch die europäische Ebene erreicht, denn die Berufsschule von Phil-Oliver Ross hat sich, wie zahlreiche andere Schulen auch, als Projekt der französischen Hippocrène-Stiftung beworben. Es geht dabei um Schulen, die mit ihren Schülerinnen und Schülern Europa-Projekte umsetzen, quasi als Europa-Aktivisten.

Ross ist mit dem Lenz-Projekt seiner Schule auf Anhieb in die Endrunde der Bewerbungen gekommen. Am 28. März reist er nach Paris, um das Projekt einer Jury zu präsentieren. Der gehören lt. Ross unter anderem Verantwortliche des Pariser Bildungsministeriums und der Europäischen Union an. “Damit holen wir das schöne Süd-Niedersachsen ins Rampenlicht“, freut sich der Berufsschullehrer den jetzt schon erzielten Teilerfolg.

Der Besuch von Grégory Baume und Quentin Vancorselis dient ihnen schon jetzt nicht nur dazu, ihre Kenntnisse bei der Arbeit mit Holz zu vertiefen und praktisch anzuwenden. Phil-Oliver Ross hat auch ein Paket geschnürt, damit sie Deutschland besser kennenlernen. So gehört ein kulturelles Programm dazu, eine Besichtigung  im Deutschen Bundestag haben sie schon unternommen und ein Besuch des Hofs Wehmeyer, 2016 Sieger des Bundespreises Ökologischer Landbau, wird noch folgen.

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